Die Entkräftung von Mythen über die Arbeitsroutine

Sie haben bestimmt schon mal von Büroräumen der großen Korporationen wie „Google“, welche dem Disneyland gleichen, oder von Arbeitsräumen ohne einen zugewiesenen Arbeitsplatz gehört. Dieses Jahr hat man viel über die Arbeit von zu Hause aus geredet, wir wollen uns aber in die Einzelheiten nicht vertiefen, denn es ist ja freilich auch so verständlich, woran es lag. Diesmal haben wir uns also entschieden die Fachfrau im Kommunikationswesen Inga Norkė, die bereits seit sechs Jahren ihren Beruf von allen möglichen Stellen aus, außer von einem Büro aus, erfolgreich ausübt.

Täglich am gleichen Tisch zu arbeiten – ein Vorteil oder doch ein Nachteil?

Laut einer Spezialstudie zu diesem Thema entstehen über 80 Prozent aller Ideen außerhalb des Arbeitsumfeldes.

„Letzte Woche habe ich in Nida (Nidden) am Hafendamm gearbeitet, wo ich einen Holztisch mit der Bank – vermutlich von Fischern - entdeckt hatte. Ich habe in unterschiedlichsten Stätten gearbeitet, darunter auch sehr viel von zu Hause aus. Daher kann ich behaupten, dass die Dynamik des Arbeitsumfeldes für eine kreative Arbeit in der Tat von großer Bedeutung ist“, sagt Inga in Entkräftung des Mythos von der eisenfesten Routine und einem getrennten Arbeitsplatz zwecks Erreichung der besten Ergebnisse.

Die freiberufliche Kommunikationsfachfrau und Beraterin hat anfangs gedacht, der Umstand, dass sie nicht täglich am gleichen Tisch mit dem gleichen Blick tätig ist, sei ungewöhnlich oder sogar nicht normal. Die über fünf Jahre hinaus reichende Arbeitserfahrung in unterschiedlichen Räumen habe jedoch gezeigt, dass die Arbeitsgewohnheiten von den Leuten in einem Kreationsbereich und desgleichen (und ihre Zahl nimmt immer wieder zu), sogar einander ähnlich sind:

„Es liegt mir sehr viel daran, mindestens einmal in der Woche „in der Stadt“ zu arbeiten, es ist aber genauso produktiv, bestimmte Aufgaben im frühen Morgen bereits im Bett zu erledigen. Das größte Hindernis für meine Ergebnisse stellt eine Routine dar“, so I. Norkė.

Einige grundlegende Nebenfaktoren für die Motivation

Angesichts der Produktivität ist für Inga noch Einiges wichtig. Eines davon ist die Ordnung: „Egal, wo ich arbeite, äußerst wichtig ist ein Durcheinander zu vermeiden, denn ein klarer Raum bringt klare Gedanken. Für mich ist allerdings eine ideale Ordnung ein Muss. Daher versuche ich, wo auch immer es sein mag – die Arbeit von zu Hause aus oder auf Reisen – alles am Abend in Ordnung zu bringen, damit ich am Morgen hierfür keine Zeit mehr zu verschwenden habe.“

Eine weitere wichtige, jedoch nicht allzu häufig behandelte Voraussetzung ist das Verhältnis zur Natur. Ja, auch während der Arbeitsstunden lässt das Grün die Produktivität eines Menschen erheblich steigen und befreit sein Denkvermögen:

„Von der Biophilie – der eingeborenen Neigung des Menschen zum Verhältnis mit der Natur – habe ich zum ersten Mal erfahren, als ich in einem Coworking-Raum in Vilnius tätig war. Da habe ich mich über die Vielzahl von Pflanzen und die Hingabe des Verwaltungspersonals sich darum zu kümmern gewundert. Es trifft zu, dass durch das Grün nicht nur die Luft gereinigt, die wir atmen, sondern auch der emotionelle Zustand verbessert wird.“, erzählt I. Norkė. Nun wuchern auch bei ihr zu Hause viele für den Dschungel typische Pflanzen.

Die Regeln sind da, um gebrochen zu werden

Für diejenigen, die schöpferische Qualen durchleben oder ihren Willen stets verschiedenen strengen Disziplinen aussetzen, gibt Inga den Rat den Versuch zu unternehmen, nicht nach den Regeln zu arbeiten. Das lässt sich heute besonders leicht ausprobieren, indem ein großer Teil der Arbeitgeber nicht darauf besteht, dass man den ganzen Tag an seinem Arbeitsplatz verbringt.

„Versuchen Sie doch öfters einen Verrat an ihrer Arbeitsordnung zu begehen. Lassen Sie sich morgens das genießen, was als ungewöhnlich gilt und holen Sie ihre Arbeit am Abend nach, probieren Sie die Dehnungsübungen am Nachmittag aus, machen Sie den Donnerstag zum Tag der Arbeit in einem anderen Raum u. ä.“

Es ist nicht auszuschließen, so Inga, dass diese Unterbrechung der Disziplin für die Erledigung aller geplanten Arbeiten einige Überstunden erfordern kann, „ich glaube allerdings, dass Sie hierdurch neue Gedanken, Ideen, Motivationen entdecken werden.“

Einige zusätzliche Ratschläge für die Arbeit von zu Hause aus

Inga gibt zu, dass in der Zeit, wenn sie nicht auf Reisen ist und die verschiedenen für die Arbeit und nicht unbedingt hierfür bestimmten Räume nicht besichtigt, ein großes Kissen häufig zu ihrem Arbeitstisch wird:

„Mein Geliebter lacht über mich, ich mag es aber auch, vom Bett aus zu arbeiten – hierdurch wird nicht nur viel Zeit erspart, die ich dann der Erholung widmen kann, sondern auch das Geld“, lächelt Inga, indem sie ihren Gedanken ergänzt, dass wenn sie schon das Bett verlässt, unbedingt auch die Kleidung gewechselt wird: „Eines meiner persönlichen Grundsätze lautet – auf keinen Fall den ganzen Tag lang in Pyjama beim Arbeiten zu Hause zu hocken und sich zu schmücken.“

Eine Hilfe für die Arbeit von zu Hause aus stellen für Inga nicht nur eine ordentliche Umfeld und die zahlreichen Pflanzen dar, sondern auch die maximal offenen Fensterbereiche, durch welche das Tageslicht eindringt, sowie ein immer mindestens halbgeöffnetes Fenster.

„Schließlich besagt schon die Aussage selbst, dass ein Arbeitgeber danach bestrebt ist, einen Umfeld zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter wie zu Hause fühlen können, wie man beim Arbeiten von zu Hause aus sich selbst übertreffen kann. Doch auch dort ist eine Abwechslung geboten. Das kann zu neuen unerwarteten Wegen sowohl in der Karriere, als auch im Leben führen“, bemerkt Inga Norkė. 
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